Stephanus gehört zu einer Gruppe innerhalb der Urgemeinde zu Jerusalem. Er war Wortführer des griechisch spre­chenden Teils der Gemeinde, der aus der Synagoge der griechischen Juden hervorgegangen war. Das Verhältnis zu den „Hebräern" war offenbar nicht ungetrübt. Die Apostelgeschichte berichtet, es habe Unzufriedenheit gegeben, weil die Witwen der „Griechen" bei der täglichen Versorgung übersehen worden seien. Ohne Zweifel spricht es für die Klugheit der Apostel in der Lei­tung der Gemeinde, dass sie diesen Streit nicht autoritär zu beenden versuchten, sondern bereit waren, Verantwortung zu delegieren. Sie bestimmten sieben Männer aus den Reihen der „Griechen", damit sie die Versorgung der Armen in der Gemeinde neu regelten. Frei­lich beschränkten sich diese nicht nur auf die ihnen damit übertragene Aufgabe, son­dern fingen auch selbst an zu predigen und verteidigten selbstbewusst den neuen Glau­ben der Christen gegenüber den Vertretern der Synagoge. Stephanus fiel dabei beson­ders auf. Es heißt, seine Ge­sprächspartner hätten nicht widerstehen können der Weis­heit und dem Geiste, aus welchem er redete. Seine Stimme konnte nur gewaltsam zum Schweigen gebracht werden. So kam es dazu, dass Stephanus als erster Christ das Schick­sal seines Herrn am eigenen Leibe erlitt und um seines Glaubens willen sein Leben ließ. Eine fanatisierte Volks­menge trieb ihn zur Stadt hin­aus, um ihn zu steinigen. Wie Jesus trat er noch in der Stun­de des Todes fürbittend für seine Verfolger ein und sah in einer großartigen Vision den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes stehen. Ste­phanus, der Diakon, wurde zum ersten Märtyrer.

Es fällt auf, dass in der Gegen­wart besonders häufig Kirchen, die in modernen Neubausied­lungen gebaut wurden, nach ihm benannt werden. Es ist das Engagement für die Benach­teiligten, das Geschick, Kon­flikte einvernehmlich zu lösen, sowie das unerschrockene Ein­treten für den Glauben, das je­ne Gruppe von Christen kenn­zeichnet, der Stephanus ange­hörte. Ihre Art, Christ zu sein, kann auch heute noch Maß­stäbe setzen und die Richtung weisen, wenn christliche Ge­meinden versuchen, den Her­ausforderungen durch eine säkulare Welt gerecht zu werden.

 

Eberhard Grötzinger

(aus der Festschrift zur Einweihung des Stephanushauses 1986)

 

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