"Mensch, Petrus!" - Kinderbibeltage in der Osterwoche

Petrus, der sich von Jesus begeistern lässt, Petrus, der sich auf dem stürmischen See überschätzt und gerettet werden muss, Petrus, der Jesus verleugnet und Trost braucht – dies waren die Themen bei den diesjährigen ökumenischen Kinderbibeltagen in der Osterwoche. Bildlich dargestellt und mit Beiträgen ergänzt wurde alles in einem großen „Petrus-Buch“. Dreißig Kinder waren begeistert dabei beim Theaterspiel, beim Singen, Spielen und Toben im und rund ums Stephanushaus. Ein zehnköpfiges Mitarbeiterteam unter Leitung von Sylvia Abelein von „Kirche unterwegs“ hatte alles gut vorbereitet und organisiert, so dass nach dem Familiengottesdienst zum Abschluss nur zufriedene Gesichter zu sehen waren.

Bilder von den Kinderbibeltagen

Das "Petrus-Buch" (als Leporello)

Pfingsten – erspürbar und erfahrbar

Menschen aus mindestens zwei Kontinenten waren anwesend, mindestens vier verschiedene Sprachen wurden gesprochen beim gemeinsamen Gottesdienst der Stadtgemeinden am Pfingstmontag im Stephanushaus. Dennoch gab es keine Verständigungsprobleme und die gemeinsame Begeisterung des Pfingstfests war für alle spürbar. Dazu trug der afrikanische Chor „Bondeko“, dessen Mitglieder alle aus dem Kongo stammen und jetzt im Großraum Stuttgart leben, mit gesungenen und getanzten Gebeten seinen guten Teil bei. Unter der Anleitung von Pfarrer Mutombo, ebenfalls aus dem Kongo stammend und jetzt katholischer Priester in Pliezhausen, der gemeinsam mit Pfarrer Lautenschlager Liturgie und Predigt gestaltete, ließen sich die Besucher mitnehmen in einen sehr rhythmusbetonten und bewegten Gottesdienst, der die zentralen christlichen Gemeinsamkeiten von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Sprache und Konfession erfahrbar machte.

 

Flüchtlinge im eigenen Land - Die Verfolgung von Christen in Indien

Dass Religion und Politik eine gefährliche Verbindung eingehen können, wurde bei einer Veranstaltung im Stephanushaus im Roßdorf am Mittwoch, 17. November, einmal mehr deutlich. Zu der Veranstaltung im Rahmen der Nürtinger Friedenswochen eingeladen hatten die evangelische Kirchengemeinde und die Beauftragte für Flüchtlingsfragen im Kirchenbezirk Nürtingen, Ragini Wahl. Der Referent des Abends war Dr. James Albert, 2. Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation „Gesellschaft für bedrohte Völker“.

  

Dr. James Albert (69) ist gebürtiger Inder und Sohn eines evangelischen Pfarrers. In den 60er-Jahren konnte er mit Hilfe eines Stipendiums in Deutschland studieren. Sein Studium von Chemie und Physik, unter anderem an der Universität Tübingen, schloss er mit einer Promotion in Chemie ab. Nach einer Tätigkeit in der Industrie bewarb er sich für den höheren Schuldienst. 2007 trat er als Gymnasiallehrer in Göttingen in den Ruhestand. Seither führten ihn zwei Reisen als Fachreferenten der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ in den indischen Subkontinent.

 

Die Ermordung eines führenden Hindu-Nationalisten und seiner vier Begleiter im Bundesstaat Orissa am 23. August 2008 hätte eine Welle von Verfolgungen gegen Christen ausgelöst. Obwohl maoistische Rebellen sich zur Tat bekannten, seien die Christen als Sündenböcke gebrandmarkt worden. Der aufgeheizte Mob, darunter auch Frauen, hätte 13 Kirchen, über 200 Schulen und 315 Dörfer verwüstet. 53000 Menschen seien in  die Flucht gejagt worden. Vergewaltigungen, unter anderem von katholischen Schwestern, Zwangsbekehrungen, willkürliche Verhaftungen und Folter zählten ebenfalls zu den Begleiterscheinungen dieser Pogrome. Die betroffenen Gebiete seien von n von den lokalen Behörden abgeriegelt worden. Nachdem der Einfluss des hinduistisch gefärbten Nationalismus nicht nur im Bundesstaat Orissa seit Jahren zunehme, man schätzt ihn heute auf 10 bis 15 Prozent landesweit, schwinde andererseits das Vertrauen in die Neutralität der Polizei. Und selbst wenn sich noch mutige Richter und einzelne Rechtsanwälte fänden, die zum Teil unentgeltlich die Opfer vertreten, lasse allein schon die Dauer der Prozesse wenig Hoffnung auf Gerechtigkeit am Ende eines Verfahrens aufkommen. Außer Orissa, das mit 82 Millionen ebenso viele Einwohner wie die gesamte Bundesrepublik zählt, seien in unterschiedlicher Weise über die Hälfte der anderen 26 Bundesstaaten Indiens von den Auswirkungen des Hindu-Nationalismus betroffen. Die indischen Bundesbehörden kämen allein schon deshalb an die Grenzen eines nachhaltig wirksamen Eingreifens.

 

Die Christen machen 2 bis drei Prozent bei einer Gesamtbevölkerung von annähernd 1,2 Milliarden Indern aus. Der christliche Glaube mit seinen unterschiedlichen Konfessionen

sei wegen der Hinwendung des Evangeliums zu den Armen besonders in den Reihen der unterprivilegierten Ureinwohner, den Avasidi, und der untersten Kaste im Hinduismus, den Dalits, vertreten. Durch die ganze Geschichte Indiens hindurch hätten vor allem die Ureinwohner unter den verschiedenen Regierungssystemen zu leiden gehabt – seien es nun die Hindu-Könige, die muslimischen Mogulherrscher oder die englischen Kolonialherren gewesen. Selbst die von Gandhi und Nehru angeleiteten Massenbewegungen hätten die traditionelle Oberschicht mit ihrem Einfluss und Reichtum nicht angetastet. Heute zähle man unter den zehn reichsten Männern der Welt allein vier Inder! Die Partei der Hindu-Nationalisten (BJP) und ihre verschiedenen Ableger reichten zwar rein rechnerisch an die größte Partei Indiens, die Kongress-Partei, nicht heran, aber in einem Parteiensystem mit etwa 25 Parteien könne der Hindu-Nationalismus in verschiedenen Koalitionen Einfluss nehmen. Hinter dieser Ideologie stecke die Vorstellung von einem ethnisch und religiös „reinen“ Staat. Es verwundere deshalb nicht, dass Hitlers Gedankengut vom „arischen Herrenmenschen“ in Indien auf fruchtbaren Boden falle. Seien es doch auch vor über 3500 Jahren „die Arier“ aus dem Norden gewesen, die in mehreren Wellen in den Subkontinent eingedrungen und die Ureinwohner geografisch und gesellschaftlich an den Rand gedrängt hätten! Heute würden sich die Ureinwohner in Orissa zusätzlich mit einem neuen schwerwiegenden Problem konfrontiert sehen. Der lukrative Uranabbau mit den im wahrsten Sinne des Wortes unübersehbaren gesundheitlichen Folgen durch Radioaktivität und Grundwasserverschmutzung mache sie wieder heimatlos. Inzwischen meldeten sich die Bischöfe der indischen Kirchen deutlicher zu Wort, als sie es bis vor kurzem wohl in der Hoffnung getan hätten, sich durch „Wohlverhalten“ das „Wohlwollen“ der Behörden sichern zu können. Dies sei dringend nötig, da der Hindu-Nationalismus neben den Christen auch die muslimische Minderheit (etwa acht Prozent der Bevölkerung) bedrohe, die vor sechs Jahren bei Ausschreitungen über 2000 Opfer zu beklagen gehabt hätte. Die großen Medien Indiens hielten sich in ihrer Berichterstattung auffallend zurück. Ebenso wie das westliche Ausland – aus wirtschaftlichen Interessen.

 

Mit einem Fürbittegebet und dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser endete für die sichtlich betroffenen Teilnehmer der Abend in der Kirche.

 

Eugen Wahl

 

Reisebericht von Dr. Albert zum Herunterladen