25.01.16

Chor- und Orgelklänge zu Ehren des Altars

Stuttgarter Mädchenkantorei sang im Rahmen der Reihe „Stunde der Kirchenmusik“ in St. Laurentius

Gänsehautfeeling angesichts der Stimmfarbe des Mädchenchors unter der Leitung von Domkapellmeister Martin Dücker. Foto: heb

Autor: Nürtinger Zeitung - Heinz Böhler

Zu Ehren des Nürtinger Marienaltars präsentierte am Samstagabend ein Chor der Stuttgarter Mädchenkantorei St. Eberhard ein an der Struktur einer Messe ausgerichtetes Programm unter dem Titel „Der verschenkte Altar“. Geleitet wurde der Chor von dessen Gründer, Domkapellmeister Martin Dücker. Begleitet wurden die rund 30 jungen Damen von Nürtingens Bezirkskantor Michael Čulo an Klavier und Orgel.

Wie von fern, vom Hall getragen, klangen die ersten Töne aus dem Chor in das Schiff von St. Laurentius und man begreift, dass spektrale wie tonale Inszenierung katholischer Riten auf dafür empfängliche Seelen eine gewisse Faszination auszuüben vermag. Es hat schon etwas ebenso pathetisch, wie ernst und würdig wirkendes, wenn so eine in schwarz-rote Gewänder gehüllte Sängergruppe gemessenen Schrittes einherschreitet und Frau für Frau wie selbstverständlich den ihr gemäßen Platz vor dem in der aktuellen Stunde der Kirchenmusik zu feiernden Altar einnimmt.

Was in der folgenden Stunde zu hören war, hätte feiner gar nicht ausgewählt werden können.

Obwohl die Entstehungszeiten – nimmt man den für den Einzug gewählten gregorianischen Cantus „Introibo ad altare dei“ hinzu, der einzelnen Stücke wohl ein ganzes Jahrtausend auseinandergelegen haben mochte, lag doch eine gewisse Homogenität der den Stücken zugrunde liegenden Intuitionen und Absichten der Komponisten und Texter jederzeit offen zu Tage.
Dem frühen 16. Jahrhundert entstammten Pierre Attaignments „Le content est riche en ce monde“, Paul Hofhaimers „Recordare“ oder Arnolt Schlicks „Maria zart von edler Art“. Für die klassischen Bestandteile einer Messe, „Kyrie“, „Gloria“, „Sanctus“ und „Agnus Dei“ hatten die Veranstalter dagegen Stücke aus der Feder von zeitgenössischen Komponisten ausgewählt, die bereits genannten von Christian Heiß, Jahrgang 1967, dazu ein „Magnificat“ des 1949 geborenen Spaniers Javier Busto. Dazwischen war das Barockzeitalter mit einer „Toccata“ Johann Jacob Frobergers (Orgelsolo), die Romantik durch ein Ave Maria von Johannes Brahms und ein ursprünglich als Terzett für drei Frauenstimmen konzipiertes A-cappella-Werk von Felix Mendelssohn-Bartholdy („Hebe deine Augen auf“) aus dem Oratorium „Elias“ vertreten.
Das Publikum in der recht gut besuchten Nürtinger Stadtkirche zeigte sich begeistert, zum einen sowohl von der manchmal Gänsehaut hervorrufenden Stimmfülle und -farbe eines reinen „Mädchenchores“, zum anderen aber auch von dem bewährten, doch immer wieder wirksamen Zauber, den Michael Čulos Orgelspiel auszulösen vermag.

Mit „Pauken und Trompeten“ soll die Reihe „Stunde der Kirchenmusik“ programmgemäß am Samstag, 20. Februar ihre Fortsetzung finden, wenn der Organist Albrecht Schmid die drei Trompeter Klaus-Ulrich Dann, Hubertus von Stackelberg und Martin Schmelcher auf dem Weg zu „Glanz und Gloria“ begleitet. Die Paukenschläge dazu wird Marion Hafen beisteuern.